Gestern war ich wieder im Wald. Ich bin alle paar Tage dort. Es spürt sich für mich so an, als müsste ich nach dem Rechten sehen. Schauen, ob es allen gut geht im Wald.
Nach kurzer Zeit des Gehens versinken alle Gedanken, die ich bis dahin noch hatte im Nichts. Sie verlassen mich einfach, weil der Wald meine volle Präsenz erfordert. Ich gehe weiter und mein Blick wird weicher, mein Körper wird lockerer.
Der Wald verlangt nichts. Er möchte nichts von mir. Ich darf einfach sein. Ich gehe langsamer, ich sehe, ich höre, ich staune. Über das viele Grün. Über das Leben, das überall gleichzeitig erwacht.
Noch liegt sie da – die alte Winterlaubschicht. Braun, raschelnd, vergangen. Sie wird von Tag zu Tag weniger. Das Neue schiebt sich leise darüber.
Der Bärlauch ist schon groß und hat ausgewachsene Blätter - er beginnt schon zu knospen, und ein paar Wegbiegungen bergan erblicke ich die ersten Blätter der Maiglöckchen. Auch Schöllkraut hebt sich an zahlreichen Stellen empor. Seine behaarten Stängel leuchten im Sonnenlicht.
Ich sehe immer noch zahlreiche Leberblümchen, dazwischen dicht am Boden das ebenso blaue Immergrün, Veilchenpolster, sogar die seltene Echte Schlüsselblume. Die Wegränder säumen Brennnessel, Taubnessel, Gundelrebe und Giersch, der sich am Waldboden weitläufig ausbreitet. Vereinzelt wachsen Blutampfer, Günsel, und die zarte, blaue Milchblume. Ziemlich viel Blau zur Zeit im Wald.
Ich bleibe immer wieder stehen, halte die Schönheit der Wildpfllanzen in einem Foto fest. Ich empfinde so große Freude, es ist als würde der Wald ein fulminantes Musikstück spielen. So viel Leben auf einmal. So viel Schönheit, die einfach da ist.
Vielleicht ist es das, was der Wald uns schenkt:
Eine Erinnerung daran, dass wir nichts werden müssen. Dass wir längst Teil von all dem sind.
Leberblümchen Brennessel Bärlauch Maiglöckchen
Blutampfer Taubnessel Günsel Frühlings-Platterbse
Gelbes Windröschen blaue Milchblume echte Schlüsselblume Veilchen
Immergrün Schöllkraut (Warzenkraut) Taubnessel
Gundelrebe Giersch Stinkender Storchenschnabel
Der Wald reicht bis zu meiner Eingangstüre: stinkender Storchenschnabel wächst direkt davor. Auch eine wunderbare Heilpflanze.
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