La Traviata

La Traviata – ein Sommerabend voller Musik, Erinnerung und Herzklopfen

Ich war seit meiner Jugend – seit ich Anfang zwanzig war – in fast keiner klassischen Kulturveranstaltung mehr. Und doch fand ich mich gestern Abend, wie durch einen kleinen Zauber, in der Sommerarena in Wien wieder. La Traviata stand auf dem Programm. Ein Geschenk meiner ukrainischen Nachbarn, zwei Karten für eine der bekanntesten Opern Verdis – und plötzlich war ich mittendrin.

 

Ich war überwältigt. Schon bei den ersten Tönen stiegen mir die Tränen in die Augen. Diese Musik war mir so vertraut – wie ein Echo aus einer anderen Zeit. In meiner ersten Schwangerschaft, vor 36 Jahren, habe ich La Traviata rauf und runter gehört. Diese Klänge waren der Klangteppich jener zarten, erwartungsvollen Monate, als ich meinen ersten Sohn unter dem Herzen trug.

Erinnerung ist etwas Eigenwilliges. Sie kommt nicht auf leisen Sohlen, sie kommt wie ein Strom, wenn die Seele bereit ist. Und so saß ich da, umgeben von prachtvollen Stimmen, kostbaren Kostümen, einem feinfühligen Orchester, und einem Dirigenten voller Hingabe. Als ich die Augen schloss, öffnete sich ein innerer Raum – und meine Vergangenheit wurde zum lebendigen Bild, als hätte sie all die Jahre nur geschlummert, um jetzt wieder aufzuerstehen.

 

Es war nicht nur eine Opernaufführung. Es war ein Erinnerungsraum. Ein Herzensmoment. Und auch ein Geschenk an mich selbst – wieder einzutauchen in Kultur, in das Schöne, das mich nährt. In Musik, die meine Zellen kennt. Ich habe an diesem Abend nicht nur Verdi gehört. Ich habe mir selbst gelauscht. Und etwas entdeckt, das lange geschlummert hat: die Sehnsucht nach mehr solcher Augenblicke. Nach Schönheit. Nach lebendiger Kultur. Nach Berührung.

Danke an das Leben, das mich – über den Umweg von geschenkten Karten - an genau diesen Platz geführt hat.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Natascha Ljubic (Freitag, 11 Juli 2025 14:35)

    Wow, das klingt wirklich schön. Danke für das Teilen der musikalischen Berührung